Forschungsschiff Gauss / DBBX
Fotos: Joachim Paul, DJ7WL (1) und DLØSWA (1)  - 

Urheber: Joachim Paul, DJ7WL
Die Ft-Station des Forschungsschiffes "Gauss" / DBBX wurde beim Bau des Schiffes (1979/80) mit Geräten von Hagenuk (Kiel) ausgerüstet. Links oben steht ein Wetterfax-Schreiber BS 114 von Hell, rechts daneben oben ein Seefunk-UKW USE 202P von Hagenuk, rechts daneben ein Sitorgerät von Philips (wie Debeg 7901). Unter den beiden Uhren - links mit Ortszeit, rechts mit UTC und eingezeichneten Segmenten für die Seenotpausen - stehen zwei baugleiche Fernschreibmaschinen Siemens T 1000. Eine gehört zum Funkfernschreibsystem SITOR, die zweite zur Sesacom/Marisat-Anlage. Im Gestell hinter dem Kopf des Funkoffiziers sitzt oben ein 400-Watt-Sender von Hagenuk (Grenz- und Kurzwelle / A1, A2 und SSB / Transitor-Endstufe), darunter das Bedienfeld für die automatische Antennenabstimmung, darunter der Exciter EMGKS 1001 und ganz unten ein Empfänger Hagenuk EE 334 (Original: Drake MSR 2). Im flacheren Gestell vor dem Funker stecken oben links ein Allwellenempfänger Hagenuk EE 430 (Original: Eddystone EC-958), darunter ein weiteres UKW USE 202. Rechts oben ein Seerfunk-Empfänger Hagenuk EE 421. Rechts unten erkennt man das Duplexfilter DF 160, mit dem Empfangsstörungen, die durch eigene Aussendungen entstehen (z.B. bei Duplex-Telefonie) ausgefiltert werden können.
QSL-Karte DLSWA
oben: Die "Gauss" / DBBX in Hamburg, im Hintergrund das BSH Das Forschungsschiff "Gauss" / DBBX wurde 1979/80 von der Schlichting-Werft in Travemünde als Baunr. 1471 gebaut. Die "Gauss" wurde am 2. November 1979 getauft und am 6. Mai 1980 übergab die Werft das Schiff an das damalige Deutsche Hydrographische Institut in Hamburg (DHI). Haupteinsatzgebiete werden die Nord- und Ostsee, sie übernimmt Aufgaben in der Meeresforschung sowie der Umwelt-Überwachung. Das Schiff ist 68,86 Meter lang, 13,09 Meter breit und mit 1599,97 BRZ / 445 tdw vermessen. Zwei MAK-Diesel mit jeweils 1790 kW geben dem Schiff eine Geschwindigkeit von 13,3 Knoten. Die Besatzung besteht aus 19 Peronen, bis zu 12 Wissenschaftler können zusätzlich untergebracht werden.

Höhepunkte in der Laufbahn des Schiffes sind u.A.[¹]
1982 wurde die "Gauss" anlässlich einer Mittelmeer-Forschungsfahrt der Internationalen Hydrographischen Organisation in Monaco vorgestellt. 
Im Winter 1983 erprobte das Schiff beim Nordkap neue Satelliten-Seenotfunkbojen (gemeinsam mit amerikanischen, russischen und norwegischen Schiffen). 
Zweimalige Zusammenarbeit mit der Raumfahrt: Experiment mit Spacelab zur Identifizierung von Ölverschmutzungen (1985) sowie Versuch mit dem Satelliten ERS-1 zur Seegangsmessung. 
1986 geriet die "Gauss" südlich von Gotland in den Tschernobyl-Fallout, nahm als erstes Schiff überhaupt Wasserproben und ermittelte die Radioaktivität. 
1995 Untersuchungen in der Barents- und Grönlandsee auf radiologisch relevante Radionuklide als Folge von Versenkungen radioaktiver Abfälle durch die ehemalige UdSSR. Dabei wurde auch das vor Norwegen in 1.700 m Tiefe liegende Wrack des russischen Atom-U-Bootes "Komsomolets" auf Radioaktivität untersucht. 
Ab 1993 fanden fünf Klimaforschungsfahrten über den Atlantik nach Kanada statt, um im Rahmen internationaler Beobachtungsprogramme den Einfluss des Ozeans auf das Klima in Europa zu untersuchen.
2001 erhielten Schiff und Besatzung die Ehrenmedaille der DGzRS. Die "Gauss" war maßgeblich beteiligt an Rettungsmaßnahmen für eine Segelyacht, die in der Biskaya bei Windstärke acht und bis zu zehn Meter hohen Wellen gekentert war.

Technisch gesehen ist die "Gauss" auch nach 25 Jahren ein modernes Schiff, das mit neuesten Navigations- und Kommunikationsanlagen und wissenschaftlichen Geräten ausgerüstet ist. Trotzdem wurde sie am 27. November 2006 nach 438 Reisen und mehr als  707000 Seemeilen außer Dienst gestellt. Die Betriebskosten des Schiffes betrugen rund 3,3 Millionen Euro jährlich.
[²]Am 16. Februar 2007 wird gemeldet, dass die "Gauss" verkauft worden ist. Zunächst hatten 27 Interessenten, darunter Vertreter indischer, brasilianischer und türkischer Forschungseinrichtungen sowie der Titanic-Entdecker Robert Ballard, das Schiff in Hamburg besichtigt. Neuer Eigentümer ist die Firma Fugro aus den Niederlanden, die das Schiff in der Offshore-Industrie einsetzen will. Die Holländer hatten 4,25 Millionen Euro geboten und damit den Zuschlag erhalten.


[¹] Quelle: Würdigung durch BSH-Präsident Prof. Dr. Peter Ehlers anlässlich des 25. Geburtstages des Schiffes
[²] Quelle: NDR NDR 90,3
Bildnachweis:

Stationsfoto (1) Urheber gem. § 7 Urh G: Joachim Paul, DJ7WL  (Mit freundl. Genehmigung 2006)
Schiffsfoto (1) Quelle: Amateurfunkgruppe der Bundesverkehrsbehörden Hamburg (Mit freundl. Genehmigung durch J. Gerpott, DL8HCI,  2007)
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Version: 22-Feb-07 / 17-May-11 / HBu