MS Anunciada / HBDM
Bildbearbeitung: H.-J. Körner DK1MW   –   Fotos (11) und Bericht © 2007: Jakob Rösti

Urheber: Jakob Rösti
Oben:  "Anunciada" / HBDM  -  Eine gewöhnungsbedürftige Funkstation  Der Funkraum war eher mit einer Dunkelkammer vergleichbar, die jeden erfahrenen FO  erschaudern liess. Der MW-Sender von RCA E-8010-E ist im Bild nicht erkennbar. Links steht der HF-Sender RCA ET-8019-A, der mit einem Frequenzvervielfacher bis auf 22 MHz gebracht werden konnte, was dem Operator aber besondere Fertigkeiten abverlangte. Von ca. 200 Watt Leistung unterhalb von 16 MHz waren oberhalb nur noch zwei Drittel vorhanden. Der nicht eichbare Haupt-Empfänger Elektromekano M-84B deckte in 7 Teilbereichen die Bänder von 15 kHz bis 26 MHz ab. Als Notempfänger diente ein umgebauter Flugfunkempfänger RCA BC 348. Der Umformerbetrieb belegte alle HF-Bänder mit einem QRM, so dass nur die allerstärksten Küstenfunkstellen, wie DAN, FFL, CUL, IAR, HEB, PCH o.ä. gelesen werden konnten. 
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Oben links:  Nock und Ruderhaus des Oldtimers. Das Schiff befindet sich in der Strasse von Gibraltar
Oben rechts:  Am 24. Oktober 1959 lief die "Anunciada" / HBDM auf der Flussfahrt von Cadiz nach Sevilla auf Grund und stand in der Folge quer im Rio Guadalquivir. Dem Festfahren war ein heftiger Streit zwischen Kapitän und dem mitfahrenden Supercargo wie auch der Charter Reederei in Paris um den tatsächlichen Tiefgang vorausgegangen. Der Kapitän hatte sich auf den Standpunkt gestellt, dass HBDM denjenigen Tiefgang aufweist, den man an den entsprechenden Lademarken ablesen kann, und nicht den, welchen Schreibtischtäter errechnen. Wie Recht er hatte. Nach drei Tagen hatten etwa ein Dutzend kleinere und grössere Schiffe an derselben Stelle im Fluss vor Anker gehen müssen, weil HBDM ihnen die Fahrrinne versperrte. Drei altersschwachen Dampfschleppern (immer wenn sie an Kraft zulegen mussten, ging ihnen das Bordlicht aus) gelang es schlussendlich, HBDM bei Hochwasser freizubekommen. Daraufhin konnten die 700 t Oliven in Fässern in Sevilla abgeholt werden. 
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Oben links:  24. November 1959 Lösch- und Ladebetrieb an der Press Street Wharf in New Orleans. 
Auffallend: Keine Krane (damals in den USA üblich). 
Oben rechts:  Verladen eines Trucks in New Orleans mit eigenem Schwergut-Ladegeschirr. Schön zu sehen ist eine der berüchtigten Dampfwinden.
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Oben links:  Als es noch keine Satellitennavigation gab.  Der zweite Offizier im Vordergrund wurde später Elblotse. Zwischen ihm und dem dritten Offizier ist die Stahltüre zum schlecht belüfteten Batterienraum zu erkennen. Die Elemente selbst hingen in nach oben offenen Behältnissen. Entsprechend war der Verdunstungsgrad. Für eine Reise von 4 Monaten benötigte der FO ca. 20 Liter destilliertes Wasser. 
Oben rechts:   4-Zylinder-Motor Wm. Doxford & Sons   Ltd., Sunderland (Doppelkolbensystem). Die Hauptmaschine war so leise, dass bei Vollkraft nur ein leises Zischen wahrzunehmen war. 
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Oben: HBDM im Hafen von Livorno bei der Beladung von rund 6000 t Marmorblöcken- und Platten
MS „Anunciada” / HBDM wurde 1947 bei der Werft Wm. Doxford & Sons Ltd., Sunderland, vom Stapel gelassen und im Sommer 1948 als Bau-Nr. 759 an die Anunciada Shipping Co. Inc, d.h. an die beiden Banken Pictet & Co. und Ferrier Lullin & Co., Genève, abgeliefert. Die Bereederung  erfolgte durch die Alpina Transports et d'Affrêtements S.A. in Antwerpen und Basel, mit Sitz in Panama. Unter panamesischer Flagge registriert, erhielt MS Anunciada das Rufzeichen HPDH.
Am 13. April 1949 kaufte die Reederei Transports Maritimes Suisse-Outremer S.A., Genève, das Schiff unter Beibehaltung des Namens. Als Schweizer Schiff wurde die Einheit mit dem Rufzeichen HBDM eingetragen.
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Oben: HBDM im Hafen von Algier  Das Management änderte am 1. Januar 1953 den Namen in Suisse-Outremer S.A. de Gérance et Affrètement Maritimes, Genève. Am 9. März 1963 wechselte der Eigner erneut. Es war die Suisse-Atlantique Société d'Armement Maritime S.A., Lausanne, welche ihrerseits MS „Anunciada” / HBDM nach nur vier Monaten Betrieb nach Bulgarien an die Staatshandelsfirma Imextracom Etablissement in Varna, verkaufte. Das Schiff wurde in „Beni Saf” umbenannt. 1967 erwarb ein neuer Inhaber, die  Navigation Maritime Bulgare, Varna, die legendäre Einheit und verschrottete sie 1974, also 27-jährig, in Bulgarien.
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MS "Anunciada" im Dock
Blick vom Vorschiff auf das Brückenhaus 
HBDM war bezüglich Bauart ein typisch angelsächsisches Schiff der Nachkriegsjahre (zwei Laderäume auf dem Vorschiff, einer mittschiffs und deren zwei auf dem Achterschiff). Die Schiffsdaten: BRT/GT: 5.370, NRT/NT: 3.086, DWT: 9.320, Länge: 134,96 Meter, Breite: 17,22 Meter, Tiefgang: 7,87 Meter, Passengers: 12, Crew: 36-45. Zu den hartnäckigsten Mitbewohnern zählten auch ganze Heerscharen von Kakerlaken als ständige Reisebegleiter. Maschinentyp: 4-Zylinder Wm. Doxford & Sons Ltd., Sunderland (Doppelkolbensystem), Leistung 3.300 PS, Dienstgeschwindigkeit: 12.5 kn, Propeller:1. HBDM war ein reiner Stückgutfrachter, ausgerüstet mit einem 20 Tonnen Schwergutbaum „Jumbo” und 10 Ladebäumen für 5 Tonnen. Die Winden wurden mit Dampf angetrieben, was bedeutete, dass der von ihnen erzeugte ohrenbetäubende Lärm im h 24-Betrieb an 5 Luken fast unerträglich war. Die angestrebte Netzspannung der Stromversorgung betrug 110 Volt Gleichstrom. Tags erreichte man knappe 100 Volt, nachts nur noch etwa 85 Volt, so dass der Autopilot ARCAS jegliche Tätigkeit verweigerte, das Schiff auf Kurs zu halten. 
Bildnachweis 

Alle Fotos (11): Urheber gem. § 7 Urh G: Jakob Rösti (mit freundl. Genehmigung 2007)
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Version: 22-Nov-07 / Rev. 27-Aug-09 + 07-Jan-11 +18-May-11 / HBu